
Mavie Stress Studie 2026: Die wichtigsten Ergebnisse für Österreich
Mavie
Redaktion
Artikel-Highlights
Stress ist in Österreich die Norm, nicht die Ausnahme
- 67 Prozent der Österreicher:innen sind (sehr) häufig gestresst, fast 40 Prozent sagen, es werde schlimmer.
- Frauen und weibliche Führungskräfte berichten deutlich häufiger von hohem Stress als Männer.
- Unter Berufseinsteiger:innen mit bis zu drei Jahren Betriebszugehörigkeit sind es fast drei Viertel.
Der Körper zahlt den Preis, während viele weiterarbeiten
- Erschöpfung, Schlafprobleme und psychische Belastung führen heuer die Liste stressbedingter Beschwerden an.
- 83 Prozent gehen trotz Erschöpfung arbeiten, ein Viertel spürt dabei einen starken Leistungseinbruch.
- Steigender Stress geht klar mit schlechterem Schlaf einher: 29 Prozent berichten von (sehr) schlechtem Schlaf.
Über Stress zu sprechen bleibt schwierig
- Nur 14 Prozent holen sich professionelle Unterstützung, ein Rückgang gegenüber 21 Prozent im Vorjahr.
- Drei Viertel haben ihre mentale Gesundheit im letzten Jahr mit niemandem am Arbeitsplatz besprochen.
- Die eigene Führungskraft gilt kaum vertrauenswürdiger als ein KI-Tool bei psychischer Belastung.
Zwei von drei Österreicher:innen fühlen sich (sehr) häufig gestresst. Und 83 Prozent gehen selbst dann noch arbeiten, wenn sie eigentlich erschöpft oder ausgebrannt sind. Die Auswirkungen auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit sind spürbar. Aber: Nur 14 Prozent von ihnen holen sich professionelle Unterstützung - oft, weil der Zugang zu viele Hürden bringt. Das sind die zentralen Ergebnisse der Mavie Stress Studie 2026. Heuer haben wir dafür erstmals nicht nur Österreich (n=1002), sondern auch Tschechien (n=394) befragt. Die Zahlen zeigen ein Land, das äußerlich stabil wirkt, aber innerlich zunehmend am Limit läuft. Vor allem zeigen sie, wie wenig darüber gesprochen wird.
Wie gestresst ist Österreich wirklich?
Auf den ersten Blick sieht die mentale Gesundheit der Österreicher:innen stabil aus. 43 Prozent bewerten sie als (sehr) gut, jedoch ist ein kleiner Rückgang gegenüber dem Vorjahr sichtbar, wo es noch 48 Prozent waren. Ein anderes Bild zeigt sich, sobald man nach der Häufigkeit von Stress fragt. 67 Prozent geben an, (sehr) oft gestresst zu sein. Fast 40 Prozent sagen, ihr Stresslevel habe sich in den letzten ein bis zwei Jahren verschlechtert. Stress ist damit längst kein Randphänomen mehr. Er ist für den Großteil der Gesellschaft ein ständiger Begleiter im Alltag - mit spürbaren Auswirkungen.

Frauen trifft es besonders hart
Die Belastung verteilt sich dabei alles andere als gleichmäßig. Frauen berichten mit 73 Prozent deutlich öfter von häufigem Stress als Männer mit 61 Prozent. Ein Viertel der Frauen hat im vergangenen Jahr sogar mehrfach einen Punkt erlebt, an dem sie mental nicht mehr weiterkonnten. Innerhalb von Führungsebenen ist dieser Unterschied ebenfalls sichtbar: 76 Prozent der weiblichen Führungskräfte berichten von häufigem Stress, gegenüber 67 Prozent bei männlichen Führungskräften. Mehr als die Hälfte der Frauen in Führungspositionen sagt zudem, ihr Stresslevel sei in den letzten Jahren gestiegen. Bei den Männern ist es nur gut ein Drittel. Ob dahinter tatsächlich mehr Belastung steckt oder ein geschärfteres Bewusstsein dafür – der deutliche Unterschied zwischen den Geschlechtern bleibt ein Signal, das ernst genommen werden muss.
Arbeit bleibt der mit Abstand größte Stressfaktor
Gefragt, was sie am meisten belastet, nennen Österreicher:innen die Arbeit an erster Stelle – noch vor finanziellen Sorgen, familiären Themen und der eigenen Gesundheit. Innerhalb der Arbeit sind es vor allem drei Faktoren, die am stärksten belasten: Konflikte mit Vorgesetzten, Kolleg:innen oder Mitarbeitenden, Leistungs- und Termindruck sowie unklare oder widersprüchliche Erwartungen von Vorgesetzten. Gerade Letzteres verdient besondere Aufmerksamkeit: Anders als Termindruck oder Konflikte lässt sich dieser Faktor vergleichsweise gezielt beeinflussen – etwa durch klarere Kommunikation im Arbeitsalltag.

Der Körper merkt es zuerst, doch viele arbeiten trotzdem weiter
Erschöpfung, Schlafprobleme und psychische Belastung führen dieses Jahr die Liste jener Beschwerden an, die Befragte mit ihrem Stress in Verbindung bringen, noch vor Rücken- und Nackenschmerzen oder gereizter Stimmung. Der Zusammenhang mit Schlaf ist dabei besonders deutlich: Unter Personen mit steigendem Stresslevel berichten 29 Prozent von (sehr) schlechtem Schlaf, unter jenen mit sinkendem Stresslevel sind es nur 9 Prozent. Trotzdem gehen 83 Prozent der Österreicher:innen selbst dann noch arbeiten, wenn sie erschöpft sind. Der häufigste Grund dafür, der genannt wird, ist finanzielle Notwendigkeit – dahinter folgen Schuldgefühle gegenüber Kolleg:innen (häufiger bei Frauen) und der Wunsch, keine Schwäche zu zeigen (häufiger bei Männern). Die Folgen zeigen sich dabei nicht nur körperlich und psychisch, sondern auch in der Leistungsfähigkeit: 70 Prozent der Befragten spüren zumindest einen mittelmäßigen Einfluss auf ihre Leistungsfähigkeit, knapp ein Viertel sogar einen starken oder sehr starken Einbruch. Genau hier liegt der blinde Fleck vieler Unternehmen: Wer nur auf Krankenstände schaut, übersieht das eigentliche Ausmaß.

Warum trotzdem so wenige darüber sprechen
Am auffälligsten ist in der diesjährigen Stressstudie, wie sehr sich das Schweigen rund um psychische Belastung verstärkt hat. Nur 14 Prozent holen sich professionelle Unterstützung bei Stress – 2025 waren es noch 21 Prozent. Auch beim offenen Austausch zeigt sich diese Entwicklung: Rund drei Viertel haben in den letzten zwölf Monaten mit niemandem am Arbeitsplatz über ihre mentale Gesundheit gesprochen, deutlich mehr als im Vorjahr.
Als Hauptgründe nennen Befragte die Sorge vor negativen Konsequenzen und die Unsicherheit, ob die Führungskraft überhaupt hilfreich reagieren würde. Vor allem aber wollen sie sich gegenüber der eigenen Führungskraft nicht verletzlich zeigen. Ein Detail sticht dabei besonders hervor: Wenn es konkret um arbeitsbedingte Belastung geht – also um genau die Themen, bei denen die eigene Führungskraft direkt etwas verändern könnte – gilt sie den Befragten nur noch als geringfügig vertrauenswürdiger als ein KI-Tool. Das ist kein Zeichen mangelnden Bedarfs. Es zeigt, wie hoch die Hürde für das erste Gespräch über die eigene Belastung für viele noch immer ist.
Michaela Hack, psychosoziale Beraterin bei Mavie, ordnet ein:
In der Beratungspraxis sehen wir vor allem vier Barrieren: Oft ist es die schwierigste Hürde überhaupt, sich selbst einzugestehen, dass man Unterstützung braucht. Dazu kommen die Sorge vor den Kosten, fehlende Zeit – und viele wissen schlicht nicht, wo sie professionelle Hilfe finden.
Wenn Führung selbst unter Druck steht
Ein Teil der Erklärung dafür liegt bei der Führung selbst. Mehr als die Hälfte der Österreicher:innen erlebt die eigene Führungskraft (sehr) oft sichtbar gestresst. Das bleibt nicht folgenlos fürs Team: Bei fast einem Drittel sinkt dadurch merklich die Freude an der eigenen Arbeit. Jede:r Fünfte denkt infolgedessen häufiger über einen Jobwechsel nach. Das schlägt sich auch wirtschaftlich nieder: Weltweit kostet "innere Kündigung" laut Gallup rund 9 Billionen Euro pro Jahr, etwa 9 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung.
Wie stark sich Stress von Führungskräften auf ganze Teams überträgt und was Unternehmen konkret dagegen tun können, behandeln wir ausführlich in einem eigenen Artikel.
Was Unternehmen konkret tun können
Bei der Stressbewältigung setzen die meisten Österreicher:innen zuerst auf sich selbst. Zeit allein, Bewegung in der Natur und Gespräche mit Freund:innen oder der Familie stehen an der Spitze der genutzten Strategien. Professionelle Unterstützung dagegen bleibt die Ausnahme. Genau hier setzen niedrigschwellige Angebote an, bevor aus Erschöpfung mehr wird. Das Employee Assistance Program von Mavie Work bietet anonyme, vertrauliche Beratung durch erfahrene Berater:innen – ganz ohne den Umweg über die eigene Führungskraft. Persönlich oder digital, rund um die Uhr erreichbar. Wissenschaftlich fundierte Persönlichkeitsanalysen helfen wiederum dabei, Stressmuster frühzeitig zu erkennen, bevor sie sich auf ganze Teams übertragen - ein gesundes Arbeitsumfeld zu gestalten - für leistungsfähige Mitarbeitende. Mit dem Cortisoltest von MavieMe lässt sich das eigene Stresslevel erstmals auch objektiv einordnen, inklusive ärztlichem Kommentar zur Einordnung der Ergebnisse.






