Kennst du das? Der Urlaub ist kaum vorbei und der Stress ist schon wieder da. Viele Menschen erwarten, dass zwei oder drei Wochen frei den Druck eines ganzen Jahres ausgleichen. Genau das funktioniert biologisch nur begrenzt: Studien zeigen, dass sich die Erholung aus dem Urlaub oft innerhalb weniger Tage nach der Rückkehr wieder auflöst.¹ Wer dauerhaft ausgeglichener leben will, kann sich nicht allein auf die freien Wochen im Jahr verlassen.
Warum wir so viel vom Urlaub erwarten
Der Gedanke liegt nahe: Wenn der Alltag monatelang fordernd war, soll der Urlaub das wieder ausgleichen. Diese Erwartung ist auch eine Folge unserer aktuellen Arbeitsrealität. Laut der Mavie Stress Studie 2025 fühlen sich 70 Prozent der Erwerbstätigen in Österreich häufig gestresst, ein Plus von 16 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr.⁵ Für mehr als die Hälfte ist die Arbeit sogar der größte Stressfaktor überhaupt.⁵
Je mehr sich Belastung über Wochen aufbaut, desto größer wird der Druck, dass die freien Tage für Entspannung sorgen müssen. Genau dieser Druck kann dann selbst zur Stressquelle werden. Wer sich vornimmt, im Urlaub „endlich richtig abzuschalten", macht Erholung zu einer Aufgabe, die erfüllt werden muss. Und nimmt sich damit oft die Leichtigkeit, die es dafür eigentlich braucht.
Was in deinem Körper passiert, wenn du nicht abschalten kannst
Stress ist keine reine Kopfsache. Er hängt auch stark mit dem Nervensystem zusammen. Bei anhaltender Belastung bleibt dein Sympathikus, also der aktivierende Teil deines vegetativen Nervensystems, im Wachmodus.³ Das lässt sich nicht einfach mit dem ersten Urlaubstag abstellen.
Der Wechsel vom Anspannungs- in den Erholungsmodus braucht Zeit: Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin bauen sich nur schrittweise ab.³ Wer direkt vom Schreibtisch in den Flieger steigt, konfrontiert den Körper mit einem abrupten Wechsel, auf den er nicht sofort reagieren kann. Das erklärt auch, warum sich viele Menschen in den ersten Urlaubstagen eher unruhig als entspannt fühlen.
Wenn Urlaub krank macht: das Phänomen Leisure Sickness
Manche Menschen werden ausgerechnet dann krank, wenn endlich Zeit zum Ausruhen wäre. Dieses Phänomen nennt sich Leisure Sickness, zu Deutsch Freizeitkrankheit. Eine aktuelle Studie der IU Internationalen Hochschule liefert dazu klare Zahlen.³ 71,9 Prozent der Arbeitnehmer:innen in Deutschland haben schon einmal an freien Tagen oder im Urlaub Erschöpfung oder Krankheitssymptome erlebt. Bei 19,3 Prozent passiert das sogar häufig oder immer.
Typische Anzeichen sind:
Als körperliche Ursache gilt ein plötzlicher Abfall der Stresshormone. Sinkt die Anspannung, normalisiert sich die zuvor unterdrückte Immunreaktion, und genau dann treten die Symptome hervor.³ Auch das Nicht-abschalten-Können nach der Arbeit spielt eine Rolle: 38,4 Prozent der Befragten berichten davon.³ Mehr als die Hälfte sagt zudem, dass ständige Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit ihre Erholung beeinträchtigt.³